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ASV-Symposium, Quadriga Forum

Es ist schwierig, einen bundesweiten neuen Versorgungsbereich auf alten, oft regionalen Regelungen aufzubauen – so ein Fazit unseres ASV-Symposiums zum Thema „Schmerztherapie – der vergessene Versorgungsbereich?“ am vergangenen Dienstag in Berlin, das wir gemeinsam mit Mundipharma organisiert und durchgeführt haben. Fachliche Experten, Vertreter von Krankenkassen und Gemeinsamem Bundesausschuss sowie ein interessiertes Publikum hatten sich zu einem intensiven fachlichen Dialog im Quadriga Forum eingefunden.

Über den aktuellen Stand der ASV und die langsame Umsetzung informierte zunächst Herr Dr. Axel Munte, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes ambulante spezialfachärztliche Versorgung e.V. Nach dreieinhalb Jahren Laufzeit der ASV gibt es lediglich 16 zugelassene und veröffentlichte Teams (Stand 16.06.2015). Dies wird unter anderem auf die Komplexität der ASV zurückgeführt sowie die zwischenzeitliche Handlungsunsicherheit aufgrund geplanter Änderungen im Rahmen des GKV-Versorgungstärkungsgesetzes (GKV-VSG).

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Dr. Regina Klakow-Franck, G-BA

Der Fokus der Veranstaltung lag dann aber auf dem Gebiet der Schmerzmedizin. Frau Dr. Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zeigte auf, dass bereits schmerzmedizinische Leistungen in den einzelnen Konkretisierungen der Erkrankungen vorgesehen sind. Diese sind einzelnen Fachgruppen zugeordnet sowie an die Qualitätssicherungsvereinbarung Schmerztherapie gekoppelt.

Das ging den Schmerzexperten jedoch noch nicht weit genug. Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. kritisierte, dass z.B. bei der Konkretisierung zu den gastrointestinalen Tumoren und Tumoren der Bauchhöhle (GIT) Facharztdisziplinen fehlen, die speziell in der Schmerzmedizin ausgebildet sind. Prof. Dr. Joachim Nadstawek, Vorstandsvorsitzender des Berufsverbands der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz-und Palliativmedizin in Deutschland e.V. forderte sogar, ausschließlich die Teilnahme an der QS-Vereinbarung als Qualifikationsmerkmal heranzuziehen. Schließlich gehe es nicht darum, „in welchem Fachgebiet ich vor 20 Jahren meinen „Führerschein“ gemacht habe, sondern ob ich jetzt die entsprechende Erfahrung und Expertise besitze, Schmerzpatienten adäquat zu behandeln“.

Podiumsdiskussion: Dr. Müller-Schwefe, Dr. Abenhardt, Dr. Wirz

Podiumsdiskussion: Dr. Müller-Schwefe, Dr. Abenhardt, Dr. Wirz

Dr. Stefan Wirz, Chefarzt der Anästhesie am Katholischen Krankenhaus im Siebengebirge, und Dr. Wolfgang Abenhardt, Onkologe und stellvertretender Vorstand des Bundesverbandes ambulante spezialfachärztliche Versorgung e.V., diskutierten darüber, in welcher Teamebene der Schmerzmediziner anzusiedeln sei: Während es Dr. Wolfgang Abenhardt genüge, einen Schmerzmediziner bei den hinzuzuziehenden Fachärzten zu fordern, gehöre der Schmerzmediziner für Dr. Stefan Wirz unbedingt ins Kernteam. Dr. Axel Munte appellierte für eine Zusatzweiterbildung in der speziellen Schmerzmedizin, analog zur Zusatzweiterbildung Palliativmedizin zumindest bei einem Mitglied des interdisziplinären Teams vorzuschreiben, unabhängig von der Teamebene.

Für Prof. Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK Gesundheit, ist die Schmerztherapie derzeit noch kein zentrales Thema in der ASV. Stärker in den Fokus werde das Thema kommen, wenn der G-BA sich auch der Umsetzung der hochspezialisierten Leistungen, insbesondere der interventionellen Schmerztherapie widmet, da vorerst die Stagnation der Umsetzung überwunden werden sollte. Wie Dr. Axel Munte warnte er vor der Gefahr eines Stillstandes, wenn von vornherein zu viel reglementiert werde. Er sieht die ASV als lernendes System und appellierte dafür die ASV erst einmal zum Laufen zu bringen und dann bei Bedarf nach zu justieren.

Einig waren sich hingegen alle, dass man nicht ohne weiteres Qualifikationsanforderungen des einen Sektor auf den anderen übertragen (Bsp. Übertragung der Anforderungen aus §135 Abs. 2 auf Krankenhaus-Ärzte) kann. Langfristig muss und wird es sektorenunabhängige Qualifikations-Anforderungen geben, so Frau Dr. Regina Klakow-Franck. Hierzu schlug Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe vor, unter anderem die Behandlungsfrequenz (Fallzahlen) und Dokumentationsstandards heranzuziehen.  Außerdem forderte Dr. Stefan Wirz die Schnittschnelle an den Sektorengrenzen zu optimieren, um eine bruchfreie Therapie gewährleisten zu können, was erklärtes Ziel der ASV ist.

Das Symposium hat wieder einmal gezeigt, dass die Mühlen im Gesundheitswesen langsam mahlen. Ein regelmäßiger fachlicher Austausch der Beteiligten ist jedoch unabdingbar, um die Versorgung von schwerkranken Patienten zu optimieren. Der neu geschaffene Versorgungsbereich der ASV bietet hierfür die bestmögliche Chance eine völlig neue Art der Versorgung zu generieren. Dies erfordert allerdings entsprechenden Einsatzwillen und Durchhaltevermöge aller Beteiligten. Nur gemeinsam kann eine Versorgung jenseits von Sektorengrenzen entstehen.

Hier können die Teilnehmer der Veranstaltung sowie unsere Mitglieder die Teilnehmerliste herunterladen.
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Unsere Partner

Die Veranstaltung wurde ermöglicht mit der freundlichen Unterstützung durch Mundipharma GmbH.

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