Dr. Axel Munte

Dr. Axel Munte

Der Weg ist richtig, doch die Hürden müssen noch beseitigt werden – das war der generelle Tenor unseres Leuchtturmsymposiums zum ASV-Leistungsbereich der seltenen Erkrankungen am vergangenen Donnerstag in Berlin. Über 100 Gäste verfolgten die Beiträge in der Kaiserin-Friedrich-Stiftung. Es bestand grundsätzlich Einigkeit bei den Referenten, dass die ASV durch ihre kollektivvertragliche Bedeutung und extrabudgetäre Vergütung der einzig richtige Weg für die oft betreuungsintensiven Patienten mit seltenen Erkrankungen ist. Allerdings verwiesen die Vortragenden auch auf bestehende strukturelle und finanzielle Herausforderungen.

Neben dem Patientenvertreter Dr. Reimann, Stellvertretender Vorsitzender der ACHSE e.V. (Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen), sah auch Professor Weber, Leiter der Kindernephrologie am Universitätsklinikum Köln, die Katalogisierung der ausgewählten seltenen Erkrankungen als unangemessen, unvollständig und ungerecht. Sie forderten eine allgemeine indikationsunabhängige Aufnahme seltener Erkrankungen in die ASV, die sich lediglich an der Prävalenz orientiert. Darüber hinaus wurde die derzeit fehlende Vernetzung von spezialisierten Zentren mit wohnortnahen Behandlern in der ASV als kritisch betrachtet, die durch die Anwendung eines 2- oder 3-Ebenen-Modells ersetzt werden sollte.

Eine weitere Herausforderung der seltenen Erkrankungen ist die Transition, also der Übergang von der Kindes- zur Erwachsenenmedizin, da sich die seltenen Erkrankungen häufig im Säuglings-/Kindesalter manifestieren. Prof. Pape betonte, dass im Vergleich zur Kindesmedizin in der Erwachsenenmedizin sowohl finanzielle Anreize als auch strukturelle Voraussetzungen fehlen. Einerseits sollten Transitionsprogramme stärker finanziert werden, andererseits sollte die Expertise der Erwachsenenmediziner durch Weiterbildungsverpflichtungen verbessert werden. Allerdings bemerkte er auch, dass Transition nicht bei allen Indikationen sinnvoll sein muss.

Auch im ambulanten Bereich fehlt es an finanziellen Anreizen, wie Prof. Weber betonte, der in der extrabudgetären Vergütung der ASV eine große Chance sieht. Er wünscht sich eine stärkere Einbindung der Niedergelassenen, um (Hochschul-)Ambulanzen zu entlasten, aber auch im Interesse der Patienten.

Dr. Andreas Reimann

Dr. Andreas Reimann

Des Weiteren erhoffen sich Dr. Reimann sowie Peter Albers, Vater eines Betroffenen, mehr ärztliche Expertise und soziale Kompetenzen des medizinischen und nicht-medizinischen Personals sowie ausgeprägte internationale und interdisziplinäre Kooperationen bei der Behandlung von seltenen Erkrankungen.

Zudem wurden allgemeine Probleme der ASV genannt. Norbert Lettau, Vorsitzender des Erweiterten Landesausschusses (ELA) Hamburg, erklärte die bisherige geringe Resonanz bei der ASV-Teambildung durch den hohen bürokratischen Aufwand. Er forderte einerseits eine differenziertere Klärung bestehender Undeutlichkeiten, wie z.B. die örtliche Zuständigkeit oder die Legitimation der Teamleitung per Vollmacht, durch Regelungen seitens des Gesetzgebers. Andererseits schlug er vor, den bürokratischen Aufwand durch eine Selbstverpflichtung der Ärzte zu reduzieren und nur stichprobenhafte Überprüfungen durch die ELAs vorzunehmen.

IMG_5271Dr. Köhler, Ehrenpräsident des Spitzenverbands Fachärzte, sah ebenfalls den erheblichen Arbeitsaufwand bei den ELAs, betonte allerdings die Notwendigkeit nachweisbarer und nachzuweisender besonderer ärztlicher Qualifikationen. Er stellte zur Diskussion, ob eine solche Qualifikationsüberprüfung nicht besser bei den KVen platziert wäre. Dr. Reimann formulierte hingegen die provokante Aussage, der Sicherstellungsauftrag bei seltenen Erkrankungen sollte bei den Kassen und nicht bei den KVen liegen, da ein Patient nur dann wirklich konkrete Handlungsmacht bei einer Unter-/Fehlversorgung habe.

Besondere Unterstützung zum Abbau struktureller Hürden und zur Dezentralisierung sahen Harald Möhlmann, AOK Nordost und unser Vorstandsvorsitzender Dr. Munte, in der IT durch den Einsatz der E-Fallakte und Telemedizin.

Trotz der bestehenden Probleme war man sich einig, dass die ASV eine große Chance bietet die Versorgung bei seltenen Erkrankungen deutlich zu verbessern. Dafür fehlt aber noch ein gemeinsamer Schulterschluss der beteiligten Akteure und eine Ausrichtung des Lösungswegs am Patientenwohl – und nicht am Lobbyismus einzelner Bänke oder Vertreter.

Hier finden Sie das Programm der Veranstaltung (Programm als PDF zum Download).
Hier können die Teilnehmer der Veranstaltung sowie unsere Mitglieder die Vorträge herunterladen.
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Hier finden Sie die Impressionen der Veranstaltung.

Presseecho:

Ärzte Zeitung vom 25.11.2014: Kliniken und Politiker stehen auf der Bremse
Ärzteblatt vom 21.11.2014: Bremst das Versorgungsstärkungsgesetz die ambulante spezialfachärztliche Versorgung aus?
Bibliomed vom 21.11.2014: ASV bundesweit nicht durchsetzungsfähig

 

Unsere Partner

Die Veranstaltung wurde ermöglicht mit der freundlichen Unterstützung durch Raptor Pharmaceuticals Germany GmbH.

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