Mit kleinen Schritten stetig voran

1_Begrüßung

Dr. Axel Munte begrüßt die Teilnehmer

Bilderstrecke zur Veranstaltung

Gut Ding will Weile haben. Dass dieses alte Sprichwort auch für die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) gilt, zeigte die zweite große gesundheitspolitische Veranstaltung des Bundesverbands ambulante spezialfachärztliche Versorgung e.V. am Samstag in München. Mit einem operativen Start sei wohl nicht vor 2014 zu rechnen – darüber waren sich die Referenten einig.

Lars Lindemann erläutert die Erwartungen der Politik an die ASV

Lars Lindemann erläutert die Erwartungen der Politik an die ASV

Dr. Axel Munte, Vorstand des Bundesverbands ASV, konnte am Samstag Morgen über achtzig Gäste – interessierte Fachärzte, Vertreter der Krankenkassen sowie aus Politik, Wissenschaft und Industrie – im Ärztehaus Harlaching willkommen heißen. Besonders freute er sich, dass Christa Stewens (Bayerische Staatsministerin a.D.) und Renate Schmidt (Bundesministerin a.D.) der Einladung gefolgt waren.

Im seinem Grußwort erläuterte Lars Friedrich Lindemann, Abgeordneter des Deutschen Bundestages, die Erwartungen der Politik an die neue Versorgungsebene. Schon lange habe man beobachtet, dass die Grenzen der Versorgungssektoren oft auch Grenzen der Qualität der Patientenversorgung darstellten. Die ASV solle daher primär die Interessen des Patienten fokussieren. Auch sollte ein freiheitlicher Ansatz verfolgt werden – er appellierte in dieser Hinsicht an den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), Details der Ausgestaltung den Versorgungsstrukturen vor Ort zu überlassen.

Ein Widerspruch zum freiheitlichen Ansatz stelle jedoch der Umfang  des neuen Paragraphen dar, der sich im Gesetz über sechs Seiten erstrecke. Diese Vorgaben sinnvoll auszugestalten, stelle eine große Herausforderung dar. Aus diesem Grund sei man seitens der Politik nicht unglücklich, dass die Verabschiedung der Richtlinie des G-BA zum 31.12.2012 – wie im Gesetz vorgesehen – noch nicht gelungen sei.

6_Diskussion

Dr. Regina Klakow-Franck und Thomas Ballast

Dr. Regina Klakow-Franck, die kurzfristig für den erkrankten Josef Hecken eingesprungen war, verdeutlichte die Komplexität der Erarbeitung der ASV-Richtlinie. Schwierige Punkte seien unter anderem die Definition der „schweren Verlaufsform“, die Festlegung des Behandlungsumfangs oder die Vorgabe von Qualifikations- und Qualitätskriterien. Im G-BA werde auch grundsätzlich debattiert, ob die Richtlinie bereits detaillierte Vorgaben enthalten solle, oder ob diese nur einen Rahmen vorgeben solle, der dann von den Erweiterten Landesausschüssen entsprechend der Gegebenheiten vor Ort ausgelegt werden könne. Ein Risiko sah die Vorsitzende des zuständigen Unterausschusses im G-BA auch in der Tatsache, dass in Ermangelung anderer Steuerungsinstrumente gerade die Kassen dazu tendierten, die Definition des Behandlungsbedarfs als Instrumente einzusetzen, um eine drohende Mengenausweitung zu vermeiden. Ökonomische Überlegungen würden so in den Vordergrund treten, medizinische Aspekte könnten überlagert werden.

Wie sieht nun der Zeitplan aus? Am 21. März 2013 solle der „Paragraphenteil“ der Richtlinie verabschiedet werden, der allgemeine Regelungen beispielsweise zur Struktur des Behandlerteams oder zur Überweisungserfordernis enthalten werde. Ein Ziel sei es auch, am 21.03. einen Beschluss herbeizuführen, die einzelnen Indikationen im „Konkretisierungsteil“ sukzessive abzuarbeiten und umzusetzen. Dann wäre es denkbar, die ersten ein bis drei Anlagen Ende 2013 zu verabschieden, so Klakow-Franck.

Ob die ASV überhaupt nötig gewesen sei, fragte Thomas Ballast, Vorstandsmitglied der Techniker Krankenkasse, zu Beginn seines Referats. In vielen Regionen hätten sich bereits ohne gesetzliche Vorgaben Kooperationen gebildet, um die Versorgung zu sichern. Auch die „Wiederbelebung“ des § 140a ff. SGB V zu Integrierten Versorgung wäre ein Ansatz gewesen. Im Hinblick auf den Fachkräftemangel sei es jedoch unverzichtbar, ambulante und stationäre Ressourcen zu bündeln. Dennoch plädierte Ballast für einen langsamen Start der neuen Versorgungsebene. Dafür habe sich auch der GKV-Spitzenverband eingesetzt und zum Beispiel im Gesetzgebungsverfahren erreicht, dass die ambulanten Operationen nicht Teil der ASV geworden waren.

Kritisch betrachtete Ballast vor allem die operative Umsetzung der ASV. Ob in den „Erweiterten Landesausschüssen“ tatsächlich ausreichend Ressourcen für die Prüfung der Anträge vorhanden seien, sei unsicher. Riskant sei, dass es zu Zulassungen zur ASV durch Untätigkeit käme, da ein Antrag nach 2 Monaten automatisch als genehmigt gelte, wenn der Erweiterte Landesausschuss nichts anderweitiges mitteilte. Auch die Verpflichtung zur „Selbstanzeige“, falls Voraussetzungen für die ASV nicht länger erfüllt seien, sah Ballast als schwierig an.

Unsicher seien laut Ballast die Auswirkungen der bevorstehenden Bundestagswahl auf die ASV – so sei durchaus denkbar, dass die nächste Regierung in Form eines Vorschaltgesetzes auch kurzfristig noch Änderungen am § 116b SGB V vornehmen könnte.

In die anschließende lebhafte Diskussion leitete Dr. Wolfgang Abenhardt, stellvertretender Vorstand des Bundesverbands ASV, dann mit einer Darstellung der Sicht eines niedergelassenen Onkologen ein. Die anschließende Debatte zeigte, dass viele Details noch ausgestaltet werden müssen, beispielsweise das Verfahren zur Bereinigung der Gesamtvergütung der KV. Wolfgang Abenhardt stellte auch die Schwierigkeit dar, die freie Arztwahl mit einem festen ASV-Behandlungsteam zu vereinbaren. Hier stellte Dr. Klakow-Franck eine Regelung in der ASV-Richtlinie in Aussicht, wonach der Patient über die ASV informiert werden und danach der Behandlung im Team zustimmen müsse.

Trotz zahlreicher Unklarheiten plädierte Dr. Edmund Edelmann, Vorsitzender des Deutschen Rheumatologenverbands, für eine rasche Umsetzung der ASV im Bereich der Rheumatologie – eine Forderung, die von Christa Stewens und Renate Schmidt klar unterstützt wurde. Prof. Neubauer (ifg München) warnte in diesem Hinblick vor einem Konkurrenzkampf der Versorgungsbereiche. Dr. Axel Munte stellte nochmals die Notwendigkeit der Indikationssicherung in der ASV dar – dies sei nur durch eine einheitliche, elektronische Dokumentation zu erreichen. Dr. Christian Deindl, Kinderchirurg aus Nürnberg, sah dies als Grundlage für eine leistungsgerechte Honorierung hochspezialisierter Leistungen. Vor einer Doppeldokumentation angesichts der Einführung der bundesweit einheitlichen Krebsregisterdokumentation warnte hier Abenhardt und plädierte an den G-BA, sich für eine Verzahnung einzusetzen.

Mit einem Dank an die Referenten und die Gäste schloss Dr. Wolfgang Abenhardt die Veranstaltung und lud die Anwesenden ein, bei einem gemeinsamen Lunch die Gespräche noch weiter zu vertiefen.

 

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